WMC IT Solutions AG mit neuem Eigentümer Vierwald Software AG

28 März, 2025 | Aktuell Allgemein Interviews
WMC IT Solutions AG mit neuem Eigentümer Vierwald Software AG: v.l.n.r.: Peter Nessensohn, Binci Heeb, Guido Markowitsch.
WMC IT Solutions AG mit neuem Eigentümer Vierwald Software AG: v.l.n.r.: Peter Nessensohn, Binci Heeb, Guido Markowitsch.

Am 13. Dezember 2024 hat die Vierwald Software AG die Mehrheit der Aktien der WMC IT Solution AG in Reinach (BL) übernommen. Sie ist auf die nachhaltige Weiterführung und Entwicklung kleiner Softwarefirmen spezialisiert. Mit rund 2600 Anwendern ist «BrokerStar» von WMC eine der Marktführer für Softwarelösungen für die Versicherungsbroker in die Schweiz. Mit der Übernahme geht WMC zwar in junge Hände über, wird aber gerne auch in Zukunft auf die Erfahrung von Guido Markowitsch und seinem Team setzen.

thebrokernews spricht mit Guido Markowitsch von WMC IT Solutions AG und Peter Nessensohn, CEO von Vierwald Software AG, über die Gründe für die Übernahme.

Sie haben bereits seit einiger Zeit einen Nachfolger für Ihre 1981 gegründete Software-Firma gesucht. Wie kam es zum Verkauf an die Vierwald Software AG?

Guido Markowitsch (GM): Ich würde es einen «Lucky Shot» nennen. Wir haben uns von Anfang an wirklich sehr gut verstanden und einen tollen Austausch gehabt. Ich bin überzeugt, dass die Experten Peter Nessensohn und Julius Janda der WMC einen grossen Schub geben werden. Unser erklärtes Ziel war die Marktführerschaft in dieser Branche zu erlangen und mit der Vierwald werden wir dieses Ziel erreichen.

Die Vierwald Software AG besteht nun aus sieben eigenständigen Unternehmen – und das alles ohne Bankschulden. Wie ist das möglich?

Peter Nessensohn (PN): Zunächst haben wir die Firma Vierwald zusammen mit Michael Schuler, dem Gründer von Moneyhouse, etabliert, der aufgrund des Verkaufs von Moneyhouse vor zehn Jahren über das nötige Kapital verfügt. Er ist Präsident des Verwaltungsrates und Julius und ich sind deren Mitglieder.

Wer mithilfe von Bankschulden Firmen erwirbt, ist gezwungen schnell Profite auszuweisen, um die Tilgungen bedienen zu können. Wir können dagegen langfristig denken und weiterhin in die Produktentwicklung investieren – das gefällt uns sehr.

Weshalb werden Sie trotz Verkaufs auch weiterhin als Geschäftsführer und langfristig als Verwaltungsrat und Berater der WMC IT Solutions zur Seite stehen?

GM: Neu bin ich «nur» noch CEO der WMC IT Solutions und verfüge über sehr viel Erfahrung und Wissen und habe über die vielen Jahre sehr viele Kontakte geknüpft. Mein Ziel ist es, Peter und Julius gemeinsam mit dem Team in unsere Branche einzuführen. Es ist nicht ganz einfach ein Beziehungsnetz aufrecht zu erhalten, daher werden wir wichtige Anlässe, wie zum Beispiel die GV vom SIBA, nutzen, um Kontakte zu knüpfen und Peter wird an diesen Veranstaltungen teilnehmen, um die Beziehungen zu stärken.

PN: Genau! Wie Sie sehen können, haben wir gerade die Webseite erneuert. In Zusammenarbeit mit dem langjährigen Mitarbeiter Thomas Bürki unterstützen wir Guido und das Team auch bei den Aufgaben, die im Alltag oft vergessen gehen, aber wichtig für den Fortschritt sind. Eine externe Sicht bringt immer auch frische Ideen und Chancen.

Dank unseren nun sieben Softwareunternehmen profitieren wir von Informations-Synergien, indem wir bewährte Praktiken übernehmen und voneinander lernen. Diese Best Practices stärken unser Unternehmen und helfen uns, strategisch zu wachsen.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

PN: Wenn mir langweilig ist, dann schaue ich mir Branchen an. Ganz zufällig. Danach erstelle ich einen Report und analysiere sie und suche nach dem Marktführer. Und das waren in diesem Fall Guido und die WMC. Ich habe ihn angeschrieben und wir haben uns für 2-3 Stunden getroffen. Uns war schnell klar, dass wir uns einigen werden.

Meine Recherche von Aussen über den Marktführer der Branche ergab ein nachhaltiges Produkt und ein Geschäftsmodell, das wir die nächsten vielen Jahre weiterführen können. Es ist also immer so, dass wir nach geeigneten Software-Firmen Ausschau halten und nicht Firmen kaufen möchten, die sich uns «schön aufgehübscht» anbieten.

Die Vierwald befindet sich in Rotkreuz. Wird der Standort In Reinach bleiben und übernehmen sie alle Mitarbeitenden?

PN: Den Sitz haben wir gewählt, weil der Michael da zu Hause ist. Julius wohnt in Zürich und ich wohne in München und arbeite viel von zu Hause, bin aber auch sehr viel unterwegs. In den letzten zwei Monate bin ich mit dem Auto 20’000 Kilometer gefahren.

Der Standort Reinach und der Name bleiben, weiter bestehen.

Werden Sie auch weiterhin täglich in ihrem Büro in Reinach anzutreffen sein?

GM: Natürlich will ich es etwas gemütlicher angehen, aber im Moment arbeite ich noch 10 bis 11 Stunden täglich. In Zukunft werde ich bestimmt im Verkauf mithelfen.

Seit wann gibt es die Vierwald eigentlich schon und was sind Ihre Pläne?

Die erste Firma haben wir 2023 übernommen, die Vierwald Software AG wurde im April 2024 gegründet. Wir wollen weiterhin Softwareunternehmen kaufen und diese langfristig weiterführen. Wir sind nicht daran interessiert Firmen zu kaufen, zu optimieren, um sie alsdann mit Gewinn weiterzuverkaufen. Unser Ziel besteht darin unser Unternehmen mit dem Fokus auf Spezialsoftware, auszubauen. Wie andere internationale Firmen wollen wir dies die nächsten 50, 60 Jahre lang so weitermachen und wachsen.

Bisher galt Ihr Engagement dem DACH-Raum, wollen Sie auch darüber hinaus wachsen?

PN: Wir konzentrieren uns auf die von Ihnen genannten drei Länder, denn hier bestehen persönliche Beziehungen und wir verstehen die Kultur der Menschen.

Sie werden es nicht glauben, aber beim Kauf der WMC war nicht einmal unser Anwalt anwesend. Den Vertrag habe ich mit Guido und dessen Anwalt zusammen verhandelt. Das kann man nur mit Menschen machen, denen man vertraut und bei denen der Handschlag noch etwas gilt.

Wie haben die Mitarbeitenden auf den Verkauf reagiert?

GM: Ich kann nur sagen: «Super!» Es tönt vielleicht etwas kitschig, aber alle sind ein Herz und eine Seele. Wir hatten zuvor bereits mit ein paar Firmen verhandelt, mussten jedoch von einem Verkauf absehen. Die Mitarbeitenden hatten dem entsprechend schon etwas Angst, wo die Reise hingeht. Aber seit dem Verkauf an Vierwald klappt es hervorragend.

PN: Von unserer Seite war es untypisch, dass Guido uns bereits vor dem Verkauf den Mitarbeitenden vorgestellt hat, was für beide Seiten die Spannung und das Ungewisse löste. Denn normalerweise wird über den neuen Käufer ein riesiges Geheimnis gemacht.

Welche Änderungen wird es für die vielen Anwender von BrokerStar geben?

PN: Es wird keine grundsätzlichen Änderungen geben. Das Produkt, die Interaktion mit den Versicherungsbrokern und alle vorhandenen Strukturen bleiben bestehen. In Zukunft werden wohl neue Module und Produkte entwickelt und gelauncht. Wir haben alle Kunden angeschrieben und Ihnen versprochen, das WMC genauso weitergeführt wird, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

GM: Die Branche ist relativ volatil. Es gibt den Gesetzgeber, den Regulator, die Versicherungen und den EcoHub, um einige zu nennen. Unser Bestreben war immer zu jedem Zeitpunkt, alle Anforderungen des Gesetzgebers und Regulators zu erfüllen und uns an alle Branchenstandards zu halten. Deshalb sind wir auch als einziger Softwarehersteller Aktionär bei der EcoHub AG.

Wir entwickeln bereits heute, was morgen implementiert werden muss. Wie die Handyhüllen, die es bereits bei der Einführung eines neuen Handys gibt. Als Early Adopter können wir neue Technologien sehr schnell umsetzen, da diese bereits entwickelt wurden. Wir arbeiten für den Broker der Zukunft.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Probleme, womit sich die Broker herumschlagen?

GM: Zentral sind die Daten. Noch heute werden diese umständlich in Excel-Tabellen eingegeben und so verschickt. Dabei gibt es heute ganz andere Möglichkeiten. Broker können sich jedoch zum Beispiel auf die von Versicherern freigegebenen Brokerportale einloggen, dürfen aber nicht mit ihren Programmen darauf zugreifen. Deshalb suchen wir komplementäre Services von Partnern, die die Prozesskette verlängern. Das Paradebeispiel ist die Ausschreibeplattform Sobrado, wo sich die Daten gegenseitig mit BrokerStar synchronisieren. Dadurch sind in einer Ausschreibung alle Branchendetails definiert.

Ein guter Broker führt ein regelmässige Jahresgespräche mit seinen Kunden, worin er das Risiko bewertet und auflistet, welche Deckungen vorhanden sind und ihn über neue Anforderungen aufklärt. Stellen Sie sich vor, diese Reports werden noch immer mit Word erstellt. Das bedeutet für den Mandatsleiter bis zu zwei oder drei Wochen Arbeit. Wenn aber alle diese Daten im System gespeichert würden, müssten nur noch Ergänzungen gemacht und ein Knopf gedrückt werden und schon wäre die Arbeit erledigt.

Ich bin überrascht, wie vorsintflutlich noch gearbeitet wird. Man sollte doch meinen, dass die Kunden erkennen, dass mit BrokerStar in Ihrem Fall sehr viel Zeit und damit genau so viel Geld gespart werden kann.

GM: Das würde man meinen, aber es gibt nach wie vor Kunden, denen jährlich ein paar hundert Franken pro User zu teuer sind. Sie lassen sich nicht überzeugen, dass sie trotzdem Geld sparen und zudem einen besseren Kundenservice bieten können.

PN: Ich glaube, dass wir in Zukunft durch den grossen Mehrwert überzeugen und diesen noch besser kommunizieren werden. Denn viele wissen gar nicht, was alles mit dem Programm möglich ist.

Letztes Jahr hat WMC erfolgreich ein Broker Security Forum durchgeführt. Wird es auch dieses Jahr ein Forum geben?

GM: Ob es erneut um das Thema «Sicherheit» gehen wird, weiss ich noch nicht. Aber ein Forum wird es irgendwann in der zweiten Hälfte des Jahres sicher geben.

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